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Kroatische
Robinsonade |
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Am
siebten Schöpfungstag hatte Gott noch eine Handvoll Steine übrig, so
besagt es ein Mythos der Kroaten. Weil er nicht wusste, wohin damit, warf
er sie irgendwo ins Meer - und traf die Adria. Wahrlich wirkt die vielfältige
Ansammlung von über 300 Insel(che)n vor der norddalmatinischen Küste
bizarr, wie zufällig dahingestreut. Seit 1980 stehen sie weitgehend unter
Naturschutz, deshalb wird hier ein sanfter, ökologischer Tourismus
betrieben: Urige alte, minimalistisch komfortable Fischerhäuschen mit
eigenem Boot an einsamen Buchten laden ein zu einem Urlaub als Robinsonade
- zum Beispiel im Naturschutzpark Telašcica
auf der Insel Dugi Otok. Auf weiter Flur nahezu keine Seele, nur am Ufer dösen ein paar Esel im Schatten, im Wasser badet ein Menschenpaar, flüstert auf Französisch, summt dann ganz leise die Melodie von "Sound of Silence". Was nahe liegt, denn wir liegen unter Kieferkronen am "Jezero Mir", dem "Friedens-See", ein Naturphänomen auf der südlichen Landzuge der Insel. Das kristallklare Binnengewässer wird unterirdisch vom Meerwasser gespeist, enthält einen hohen Anteil von Heilschlamm am Boden und erreicht im Sommer eine Temperatur von 33° C. Obwohl diese riesige Naturbadewanne und das etwas entfernte Restaurant an der kleinen Marina ein sehr beliebtes Ausflugsziel der Individualreisenden, Segler und Yachtbesitzer auf Landgang sind, herrscht hier an den frühen Morgen- und späten Abendstunden eine vollkommene Ruhe. Dann besteht sogar eine Chance, im flachen Wasser auf einen großen Aal zu treffen, den die Einheimischen neckisch "Kaiman", "Krokodil" nennen. |
![]() Friedliche Impressionen und ungewöhnliche Naturerlebnisse dieser Art bieten sich viele, ob beim Wandern oder Trekking auf dem Land, zu Wasser mit dem eigenen kleinen Motorboot, das viele Vermieter für die von starken Winden gut geschützte Bucht zur Verfügung stellen, mit dem Fahrrad oder Auto entlang der Panoramastraße von Dugi Otok, der "Langen Insel". Mit 52 Kilometern Länge und nur ein bis vier Kilometern Breite liegt das Eiland am Außenrand des Norddalmatinischen Archipels vor Zadar. Von dort verbinden Linienschiffe, Autofähren und schnelle Tragflügelboote die Insel mit dem Festland; zur Hochsaison auch von Ancona in Italien aus. Der erste Blick von der Fähre gen Eiland vermittelt einen ausgesprochen kargen Eindruck: schroffe Felsen mit nicht gerade üppiger Vegetation und wenig Besiedlung. Doch bereits vom Auto aus öffnen sich nach der Ankunft im Hafen von Brbinj im Norden und der Fahrt auf der gut ausgebauten Straße bis zum südlichen Zipfel der Insel wunderschöne Ausblicke auf die Küstenorte, einsame Sand- und Kiesstrände sowie die außergewöhnliche Vielfalt der Flora und Fauna in dieser karstigen Landschaft. Mauern aus unzähligen Steinen errichtet, parzellieren den Boden zur fruchtbaren Landgewinnung. Auf den Feldern wachsen Kiefern, Weinreben, Feigenbäume und ganze Wälder von Oliven. Warum nur so auffällig viele Ölbäume? Die Antwort gibt Bozo Puhov, Direktor des Naturschutzparks Telašcica, mit einem Augenzwinkern: Eine kroatische Tradition verlangt, dass jeder heiratswillige Mann, bevor er reif für die Ehe ist, mindestens zehn Olivenbäume in seiner Heimat pflanzt. |
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So
richtig aber zeigt sich die Naturschönheit der Insel erst in den
besonders geschützten und ausgewiesenen Parks der Insel beim langsamen
Wandern auf Trampelpfaden über Stock und Stein. In der immergrünen
Macchia duften seltene Kräuter- und Heilpflanzen mit ätherischen Ölen.
Kaum erblickt, flüchten kleine Echsen und harmlose Schlangen. Oft enden
die Wege an steilen Klippen aus hellem Sandstein, in denen Falken, Adler
und sogar Geier nisten. Ebenso vielfältig zeigt sich die Unterwasserwelt
mit Drachenköpfen, Rochen, Delfinen und Katzenhaien an Steilwänden und
Felsnadeln im türkisfarbenen Wasser. Mehrerer Tauchschulen auf der Insel
bieten Ausflüge und lizenzierte Kurse für Anfänger und Profis an,
darunter auch eine deutschsprachige mit einem kleinen, angegliedertem
Hotel in Sali, dem größten Ort der Insel. |
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| Hier lebt die Mehrzahl der nur knapp 3000 Bewohner von Dugi Otok, denn die kleine Hafenstadt mit ihrer idyllischen Marina besitzt eine gute Infrastruktur mit einer einst lukrativen Fischkonservenfabrik, von der viele Familien leben konnten. Doch der Absatz hat sich verringert, viele Einheimische suchen neben dem Fischfang, der Viehzucht und dem Ertrag ihrer Olivenhaine und Weinberge nach anderen Einkünften. Aber nicht nur deshalb sind Touristen gerne gesehen, schnell ergeben sich Kontakte und Einladungen. Zugegeben: Die "Versorgung" jeglicher Art ist auf einer Insel, die den Tourismus bewusst auf einem sanften und ökologischen Weg betreiben will, zwangsläufig nicht optimal. Die wenigen Lebensmittelgeschäfte haben neben ländlichen Produkten nur ein rudimentäres Angebot, Apotheken gibt es gar keine, dafür aber ein paar Ärzte. |
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Die
letzten Abschnitte der neuen, innerkroatischen Autobahn sollen noch im Juni 2004 fertiggestellt werden. Dann eröffnet sich den Anreisenden eine stressfreiere Alternative zur engen, stark befahrenen Küstenstraße. Gleiches gilt für die neue sogenannte Wohlfühlroute über Passau, Graz, Maribor und Zagreb durch vier Länder bis zur Küste. Eine romantische und spartanische Robinsonade in den dalmatinischen Naturschutzparks ist bestens geeignet, um abgeschieden allein zu zweit zu sein, für Menschen, die das Improvisieren genießen können und Familien mit abenteuerlustigen Kindern - vorausgesetzt diese befinden sich noch nicht im Disco-Alter. |
In
den privat vermittelten Robinsonhäuschen ist der sparsame Umgang mit
Wasser, Strom und Gas oberste Devise. Verständlicherweise, denn schließlich
gibt es keine Leitungen in die abgelegenen Buchten. Dafür entschädigen
aber die kleinen Episoden, die einen Abenteuerurlaub ausmachen: Ein
Fischer, der uns gestern noch in der Zivilisation beim Einkauf
von Kerzen und Taschenlampenbatterien
in seinem Garten zu einem Glas Wein einlud, reißt uns früh
morgens mit dem Tuckern seines Kahns aus dem Schlaf, durchbricht die betörende
Stille, die uns seit Tagen in dem versteckten Häuschen umgibt.
An Bord hat er den Fang der zurückliegenden Nacht: Fisch satt für
die nächsten Tage, dazu selbstgepresstes Olivenöl. Kräuter in Hülle
und Fülle wachsen vom Meeresufer bis auf unsere Terrasse hinaus. Bis zum
Sonnenuntergang sind die vielen Grillen und ein paar leuchtend-grüne Käfer
unsere einzigen Gäste. |
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Kroatische
Robinsonade
Abenteuerurlaub
unter Naturschutz Die
Insel Dugi Otok in Norddalmatien
damit, warf er sie irgendwo ins Meer - und traf die Adria. Wahrlich wirkt
die vielfältige Ansammlung von über 300 Insel(che)n vor der
norddalmatinischen Küste bizarr, wie zufällig dahingestreut. Seit 1980 stehen
sie weitgehend unter Naturschutz, deshalb wird hier ein sanfter, ökologischer
Tourismus betrieben: Urige alte, minimalistisch komfortable Fischerhäuschen mit
eigenem Boot an einsamen Buchten laden ein zu einem Urlaub als Robinsonade - zum
Beispiel im Naturschutzpark Telašcica
auf der Insel Dugi Otok.
Auf weiter Flur nahezu keine Seele, nur am Ufer dösen ein paar Esel im
Schatten, im Wasser badet ein Menschenpaar, flüstert auf Französisch, summt
dann ganz leise die Melodie von "Sound of Silence". Was nahe liegt,
denn wir liegen unter Kieferkronen am "Jezero Mir", dem
"Friedens-See", ein
Naturphänomen auf der südlichen Landzuge der Insel. Das kristallklare
Binnengewässer wird unterirdisch vom Meerwasser gespeist, enthält einen hohen
Anteil von Heilschlamm am Boden und erreicht im Sommer eine Temperatur von 33°
C. Obwohl diese riesige Naturbadewanne und das etwas entfernte Restaurant an der
kleinen Marina ein sehr beliebtes Ausflugsziel der Individualreisenden, Segler
und Yachtbesitzer auf Landgang sind, herrscht hier an den frühen Morgen-
und späten Abendstunden eine vollkommene Ruhe. Dann besteht sogar eine Chance,
im flachen Wasser auf einen großen Aal zu treffen, den die Einheimischen
neckisch "Kaiman", "Krokodil" nennen.
Friedliche
Impressionen und ungewöhnliche Naturerlebnisse dieser Art bieten sich viele, ob
beim Wandern oder Trekking
auf dem Land, zu Wasser mit dem eigenen kleinen Motorboot, das viele Vermieter für
die von starken Winden gut geschützte Bucht zur Verfügung stellen,
mit dem Fahrrad oder Auto entlang der Panoramastraße von
Dugi Otok, der "Langen Insel". Mit 52 Kilometern Länge und nur
ein bis vier Kilometern Breite liegt das Eiland am Außenrand des
Norddalmatinischen Archipels vor Zadar. Von dort
verbinden Linienschiffe, Autofähren und schnelle Tragflügelboote
die Insel mit dem Festland; zur Hochsaison auch von
Ancona in Italien aus. Der erste Blick von der Fähre gen Eiland
vermittelt einen
ausgesprochen kargen Eindruck: schroffe Felsen mit nicht gerade üppiger
Vegetation und wenig Besiedlung.
So
richtig aber zeigt sich die Naturschönheit der Insel erst in den besonders
geschützten und ausgewiesenen Parks der Insel beim langsamen
Wandern auf Trampelpfaden über Stock und Stein. In der immergrünen Macchia
duften seltene Kräuter- und Heilpflanzen mit ätherischen Ölen. Kaum erblickt,
flüchten kleine Echsen und harmlose Schlangen. Oft enden die Wege an steilen
Klippen aus hellem Sandstein, in denen Falken, Adler und sogar Geier nisten.
Ebenso vielfältig zeigt sich die Unterwasserwelt mit Drachenköpfen, Rochen,
Delfinen und Katzenhaien an Steilwänden und Felsnadeln im türkisfarbenen
Wasser. Mehrerer Tauchschulen auf der Insel bieten Ausflüge und lizenzierte
Kurse für Anfänger und Profis an, darunter auch eine deutschsprachige mit
einem kleinen, angegliedertem Hotel in Sali, dem größten Ort der Insel.
Hier lebt die Mehrzahl der nur knapp 3000 Bewohner von Dugi Otok, denn die
kleine Hafenstadt mit ihrer idyllischen Marina besitzt eine gute Infrastruktur
mit einer einst lukrativen Fischkonservenfabrik, von der viele Familien
leben konnten. Doch der Absatz hat sich verringert, viele Einheimische suchen
neben dem Fischfang, der Viehzucht und dem Ertrag ihrer Olivenhaine und
Weinberge nach anderen Einkünften. Aber nicht nur deshalb sind Touristen gerne
gesehen, schnell ergeben sich Kontakte und Einladungen. Zugegeben: Die
"Versorgung" jeglicher Art ist auf einer Insel, die den Tourismus
bewusst auf einem sanften und ökologischen Weg betreiben will, zwangsläufig
nicht optimal. Die wenigen Lebensmittelgeschäfte haben neben ländlichen
Produkten nur ein rudimentäres Angebot, Apotheken gibt es gar keine, dafür
aber ein paar Ärzte.
In den privat vermittelten Robinsonhäuschen ist der sparsame Umgang mit Wasser,
Strom und Gas oberste Devise. Verständlicherweise, denn schließlich gibt es
keine Leitungen in die abgelegenen Buchten. Dafür entschädigen aber die
kleinen Episoden, die einen Abenteuerurlaub ausmachen: Ein Fischer, der uns
gestern noch in der Zivilisation beim Einkauf
von Kerzen und Taschenlampenbatterien
in seinem Garten zu einem Glas Wein einlud, reißt uns früh morgens mit
dem Tuckern seines Kahns aus dem Schlaf, durchbricht die betörende Stille, die
uns seit Tagen in dem versteckten Häuschen umgibt.
An Bord hat er den Fang der zurückliegenden Nacht: Fisch satt für die nächsten
Tage, dazu selbstgepresstes Olivenöl. Kräuter in Hülle und Fülle wachsen vom
Meeresufer bis auf unsere Terrasse hinaus. Bis zum Sonnenuntergang sind die
vielen Grillen und ein paar leuchtend-grüne Käfer unsere einzigen Gäste.
Wem Natur pur nicht genug ist, dem bieten sich auch einige kleine kulturelle
Aktivitäten, wie zum Beispiel die Besichtigung mittelalterlicher Kirchen mit
venezianischem Interieur und glagolitischen Inschriften, frühchristlicher
Kapellen und Spuren illyrischer Siedlungen. Ein besonderer Höhepunkt unter den
Volksfesten ist das dreitägige
Eselrennen im August.
Die letzten Abschnitte der neuen, innerkroatischen Autobahn sollen noch im Juni
2004 fertiggestellt werden. Dann eröffnet sich den Anreisenden eine
stressfreiere Alternative zur engen, stark befahrenen Küstenstraße. Gleiches
gilt für die neue sogenannte Wohlfühlroute über Passau, Graz, Maribor und
Zagreb durch vier Länder bis zur Küste. Eine romantische und spartanische
Robinsonade in den dalmatinischen Naturschutzparks ist bestens geeignet, um
abgeschieden allein zu zweit zu sein, für Menschen, die das Improvisieren genießen
können und Familien mit abenteuerlustigen Kindern - vorausgesetzt diese
befinden sich noch nicht im Disco-Alter.
© Carmen S. Freihaut